Die Zacharias-Hildebrandt-Orgel
Mit dem Neubau der Kirche entschied man sich auch für eine neue Orgel, obwohl erst 1702 für 110 Taler eine Orgel vom damaligen Kirchenpatron Statz Friedrich von Fullen gestiftet worden war. Wie dem Störmthaler Rechnungsbuch zu entnehmen ist genügte sie offenbar nicht mehr den Ansprüchen. "...die Orgel ist bey dem Anno 1710 erfolgten hartten Donnerschlag mit betroffen worden, daß sie auch niemals in gehörigen tüchtigen Stande gebraucht...traktieret werden können;".
Hilmar von Fullen bat den berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann eine Orgel für die Störmthaler Kirche zu bauen. Wahrscheinlich ließ die ziemlich hohe Preisforderung Silbermanns den Gutsherren Abstand nehmen. Er wandte sich satt dessen an Silbermanns Meisterschüler Zacharias Hildebrandt, der für 400 Taler das Angebot annahm. Über dem Störmthaler Orgelbau kam es zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Orgelbauern, denn Silbermann fühlte sich von Hildebrandt hintergangen, da es eine Vereinbarung gab, wonach er jeden beabsichtigten Orgelbau im sächsischen Raum von Silbermann genehmigen lassen sollte.
Die Orgel zu Störmthal ist die zweite von insgesamt siebzehn Orgeln, die Hildebrandt gebaut hat. Mit ihr gelang ihm ein Meisterwerk, das von keinem geringeren als Johann Sebastian Bach geprüft und über die Maßen gelobt worden ist. Im Störmthaler Kirchrechnungsbuch von 1723 ist vermerkt, dass die Orgel "am 2. Novembris, 1723, von dem berühmten Fürstlich Anhaltinischen-Cöthenischen Capellmeister und Directore Music: auch Cantore zu Leipzig Herr Johann Sebastian Bach, übernommen, examinieret, probiertet, auch vor tüchtig und beständig erkannt, und gerühmet worden" ist. Bach führte damals "bei öffentlichen Gottesdienste und Einweyhung besagter Orgel" seine Kantate "Höchsterwünschtes Freudenfest" BWV 194 auf. Die Störmthaler Hildebrandt-Orgel zählt zu den wertvollsten Orgeln Sachsens. Dies verdankt sie nicht nur dem Umstand, dass sie von Bach geprüft und eingeweiht wurde, sondern dass sie weitestgehend im Originalzustand erhalten ist wie keine andere Hildebrandt-Orgel.